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Ruth Diskussion gestartet von Ruth 3 Wochen
In der Katholischen Kirche ist mächtig Druck im Kessel. Die Rufe nach Reformen werden lauter. Laienorganisationen wie die Frauenbewegung Maria 2.0 drängen nach vorn.

Sie lassen sich nicht mehr abspeisen mit vagen Versprechungen aus den Reihen der Amtskirche, die – wenn überhaupt – nur im Schneckentempo auf den Aufstand an der Basis reagiert. Auch immer mehr Priester mucken auf – wie Pfarrer Stefan Jürgens aus Münster.


Pfarrer Stefan Jürgens analysiert die Männerdomäne Kirche

Die Kirche sei weltfremd und die Welt kirchenfremd geworden, sagt er. Und liefert dafür Belege aus erster Hand. In seinem Buch „Ausgeheuchelt“ (Herder-Verlag) analysiert er die Defizite seiner von starrsinnigen Männern dominierten Kirche, die sich ändern müsse, will sie nicht eines Tages in der Bedeutungslosigkeit versinken.


Stefan Jürgens Konzept gegen verknöcherte Strukturen

Schluss mit der Scheinheiligkeit: Jürgens, in dessen alter Pfarrei Heilig Kreuz in Münster sich die Initiative Maria 2.0 formierte, geht es nicht um simples Kirchen-Bashing. Trotz allem habe er seinen Glauben nicht verloren, so der 51-Jährige. Mit Gott hadere er überhaupt nicht, aber mit der Kirche.

Die müsse endlich in der Realität ankommen und von modernen Demokratien lernen. Dazu wolle er beitragen. Starke Worte eines kleinen Priesters, der die oft scheinheilige Welt eines in überholten Denkmustern erstarrten Klerus entzaubert, der sich immer mehr von den Gläubigen und ihrer Lebenswirklichkeit entfernt – ja, der sogar bis heute Frauen diskriminiert.

Frommes Gelaber: Wenig Inhalt, total verschwurbelt

Das kann Jürgens überhaupt nicht ausstehen. Bei offiziellen Anlässen hoher Amtsträger frage er sich oft, wie es möglich sei, „so wenig Inhalt in viele nichtssagende Sätze zu packen, verschwurbelt und verquast“.

Er empfiehlt eine Alltagssprache, die einfacher, ehrlicher und verständlicher sein muss, damit die Menschen sie auch verstehen.

Mehr Mitbestimmung in der Kirche

Von Mitbestimmung sei die Kirche weit entfernt, so Jürgens. Das sei nicht mehr akzeptabel. Man brauche transparente und demokratische Strukturen.


Wo kommt das Geld her? Hunderttausende treten aus, doch Kirchen werden immer reicher

Klerikalismus ist die Ursünde

Für Jürgens ist der die Ursünde der Kirche. „Männerbündische Seilschaften pflegen ihren Korpsgeist, maßen sich an, ganz allein das Wissen und das Recht zu besitzen, über andere Menschen befinden zu können.“

Heute sei dies „geradezu ein lächerlich wirkendes absolutistisch-monarchisches Auftreten sowie an Schamanen erinnerndes magisches Erwählungs-und Sendungsbewusstsein“. Das ängstliche Verharren im Klerikalismus des 19. Jahrhunderts sei mit viel Heuchelei erkauft worden. „Damit muss endlich Schluss sein.“

Frauen ins geistliche Amt

Jürgens ist dafür, Frauen den Zugang zu geistlichen Ämtern zu öffnen. „Wer heute noch gegen die Gleichberechtigung der Frau ist, aus welchen Gründen auch immer, hat den Anschluss an die moderne Welt endgültig verpasst.“

Auch wer sich auf Jesus berufe, um Frauen auszusperren, sei auf dem Holzweg. Jesus habe zwar tatsächlich kein Priesteramt für Frauen gestiftet, aber eben auch keines für Männer. So gesehen sei die sture Haltung der Amtskirche nichts weiter „als eine uralte religiöse Ideologie innerhalb der kollektiven Sexualneurose der Kirche in unheiliger Allianz mit der Macht der Männer“.

Er warnt: Wenn die Frauen die Geduld verlieren und die Kirche verlassen würden, sei es zu spät.

Ehe auch für Priester

Ab mit dem Zölibat auf den Müllhaufen der Kirchengeschichte! Er ist für Jürgens „frommer Zauber für religiös Unaufgeklärte“. Aus eigener Erfahrung wisse er, dass viele Priester, die zölibatär leben müssen, „einsam, unglücklich oder doch zumindest skurril geworden“ sind.

Ohne den Zölibat, da ist sich Jürgens sicher, „hätten wir garantiert mehr Priester, dafür aber weniger komische Kandidaten und weniger unglückliche oder lebensferne Bischöfe und Priester“.

Haltung zur Homosexualität

Ein „unwürdiges Versteckspiel rund um den heiligen Schein“ nennt Jürgen den Umgang der Kirche mit diesem Thema. Die Homophobie der Kirchenleitung habe offensichtlich „ihren Grund in der Homosexualität vieler Amtsträger, die mit sich selbst nicht im Reinen sind“.

Der hohe Schwulen-Anteil bei Geistlichen sorge nicht nur für „Schweigekartelle“, sondern auch für eine gewisse Erpressbarkeit Einzelner Höchste Zeit, dass die Kirche ihre antiquierte Sexualmoral entstaube und Homosexualität enttabuisiere.

Sein Fazit: „Wer an einen Gott glaubt, der eine frauenfeindliche, männerdominierte und zölibatäre Hierarchie gewollt haben soll, der kann genauso an den Osterhasen glauben“, bringt Jürgens den Zustand der Katholischen Kirche treffend auf den Punkt.

Ein mutiges Plädoyer für Reformen und gegen die Heuchelei. Jahr für Jahr kehren Zehntausende der Katholischen Kirche in Deutschland den Rücken – nicht nur um Steuern zu sparen, sondern weil sie resigniert haben.  (Berliner Kurier)
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Ferdinand
Ferdinand Ein sehr guter Beitrag, der einschließlich Buchempfehlung alles beinhaltet! Doch vermutlich muss Pfarrer Stefan Jürgens dadurch um sein kath. Priesteramt bangen. 3 Wochen
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